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Steinbruch abschaffen. Wir können doch recyceln. Oder?

Warum gewinnen wir eigentlich noch Naturstein im Steinbruch? Schließlich werden Gebäude zurückgebaut, Straßen erneuert und dabei jede Menge mineralische Materialien frei.

Also einfach alles recyceln und keine neuen Rohstoffe mehr gewinnen?

Klingt logisch. Funktioniert aber nicht ganz.

28.08.2026

Recycling? Machen wir.

Mineralische Materialien aus Rückbau und Straßenaufbruch können geprüft, getrennt, sortiert und aufbereitet werden. Geeignete Materialien kommen anschließend als Recyclingbaustoffe wieder zum Einsatz.

Und zwar in erheblichen Mengen.

Für Baden-Württemberg weist die aktuelle Massenstromgrafik des Industrieverbandes Steine und Erden rund 13,2 Millionen Tonnen Bauschutt und Straßenaufbruch aus. Durch Stofftrennung und Sortierung entstehen daraus etwa 12,6 Millionen Tonnen RC-Baustoffgemische. Mehr als 98 Prozent davon werden im Straßen-, Wege- und Erdbau sowie in der Asphaltherstellung eingesetzt.

Recycling ist also keine Idee für irgendwann. Es passiert längst.

Warum brauchen wir dann überhaupt noch Steinbrüche?

Weil Recycling einen ziemlich einfachen Haken hat: Man kann nur recyceln, was vorher zurückkommt.

Gebäude und Straßen bleiben oft über Jahrzehnte bestehen. Ihr Material steht erst wieder zur Verfügung, wenn sie zurückgebaut oder erneuert werden. Gleichzeitig brauchen wir mineralische Rohstoffe für Wohnungs- und Hochbau, Verkehrswege, den Umbau der Energieversorgung und zahlreiche weitere Produkte und Anwendungen.

Der Rohstoffbedarf in Baden-Württemberg liegt laut ISTE bei rund 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Davon entfallen rund 45,1 Millionen Tonnen auf Natursteine. Das Material aus Rückbau und Sanierung kann diesen Bedarf nicht vollständig decken.

Wir bauen mehr neu, als wir zurückbauen.

Genau hier liegt die mengenmäßige Grenze des Recyclings. Die aktuelle ISTE-Massenstromgrafik bringt es auf den Punkt: Weil mehr neu gebaut als abgerissen wird, kann der Anteil recycelter Gesteinskörnungen bei gleichbleibendem Gesamtbedarf maximal etwa 15 Prozent betragen. Selbst wenn geeignetes zurückkommendes Material konsequent genutzt wird, bleibt also ein erheblicher Bedarf an Primärrohstoffen.

Und aus alt wird nicht automatisch alles.

Die Menge ist nur die eine Seite. Nicht jedes Material eignet sich für jede neue Anwendung. Zusammensetzung, Materialeigenschaften und technische Anforderungen entscheiden darüber, wo ein Recyclingbaustoff eingesetzt werden kann.

Das zeigt auch die Verteilung der Massenströme: Der überwiegende Teil der RC-Baustoffgemische kommt heute im Straßen-, Wege- und Erdbau sowie in der Asphaltherstellung zum Einsatz. Als Zuschlag für Recyclingbeton weist die Grafik rund 0,227 Millionen Tonnen aus. Der Anteil recycelter Gesteinskörnungen für Beton liegt derzeit bei 2 Prozent.

Recycling funktioniert also dort besonders gut, wo Material und Anwendung zusammenpassen.

Was tatsächlich wohin geht

Die Grafik zeigt sehr anschaulich, warum die Diskussion „Steinbruch oder Recycling?“ zu kurz greift.

Auf der einen Seite stehen mineralische Primärrohstoffe aus Gewinnungsstätten. Auf der anderen Seite kommen Bauschutt, Straßenaufbruch sowie Boden und Steine aus Baumaßnahmen zurück. Diese Materialien werden auf ihre Verwertbarkeit untersucht und je nach Eignung unterschiedlichen Verwendungen zugeführt.

Dazu gehört auch die Rekultivierung von Gewinnungsstätten. Rund 21 Millionen Tonnen Boden und Steine werden laut ISTE im Rahmen von Rekultivierungsverpflichtungen für Verfüllung, Oberflächengestaltung und die Herstellung von Böden für land- und forstwirtschaftliche Folgenutzungen eingesetzt.

Steinbruch oder Recycling?

Falsche Frage.

Recyclingbaustoffe ersetzen bereits heute einen Teil der Primärrohstoffe. Geeignete mineralische Materialien wieder aufzubereiten und erneut einzusetzen, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Baustoffversorgung. Aber Recycling kann nur mit dem Material arbeiten, das zurückkommt. Und nicht jedes zurückkommende Material eignet sich für jede neue Anwendung.

Deshalb brauchen wir beides: Recycling geeigneter mineralischer Materialien und die Gewinnung von Naturstein.

Genau dieses Zusammenspiel ist Teil unseres Cycle of Stone.

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